Archiv
Statistiken
ZRB Jahres- und Projektberichte 2007 -2009
ERSO Projekt
BAGFW Positionspapier
Seminar "Modelle einer Rückkehr"
Seminar "Das Dilemma und die Lüge"
Reiseberichte
30 Jahre Flüchtlingsberatung

10.11.-15.11.2008 Besuch beim
spanischen ERSO Partner ACCEM in Madrid

Zentrale Rückkehrberatung Südbayern

Internship Madrid - Kurzbericht

 
Erso 2
Internship Madrid Gruppenbild mit Erso Partnern und einem Teil des ACCEM Teams
 



Im Rahmen von ERSO II besuchte unsere Mitarbeiterin Birgitta Leitner vom 10.12.-14.12. 2008 den spanischen ERSO Partner ACCEM in Madrid.

09.11.08 - 19.00
Ankunft am Flughafen "Barrajas" in Madrid

10.11.08.-
Begrüßung und Führung durch die ACCEM Büros.
Vorstellung der Beratungstätigkeit:

ACCEM wurde 1991 gegründet.
Inzwischen beschäftigt ACCEM rund 500 Mitarbeiter sowie 250 Ehrenamtliche.
Die Beratungstätigkeit umfasst sowohl die Rückkehrberatung als auch Hilfestellung und Beratung für Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende im Rahmen von Integrationsmaßnahmen.
Hierzu leitet ACCEM mehrere Wohnhilfeprojekte, führt Trainingsmaßnahmen und sozial- wie arbeitsrechtliche Beratungen durch und gibt teils auch finanzielle Hilfestellung.
In Madrid selbst arbeiten 61 Angestellte, davon sind allein 33 in verschiedenste Projekte eingebunden. Ebenso arbeiten je 3 Rechtsanwälte sowie 3 Psychologen für ACCEM. Ein weiterer Schwerpunkt der Beratung ist die interkulturelle Mediation sowohl innerhalb der Klientengruppen als auch zwischen Migranten und Behörden bzw. auch der lokalen Bevölkerung.

Erso 3
Internship Madrid November 08 Aufenthaltsraum bei ACCEM Madrid Kollegen aus Österreich, Deutschland, Holland, Belgien

 

 

Besuch von APOI:


Bei Apoi handelt es sich um ein ACCEM Projekt für Romas aus Bulgarien und Rumänien
In zwei Zentren werden 55 Roma-Familien rund um die Uhr betreut.
Der maximale Aufenthalt in einer Unterkunft ist auf ein Jahr begrenzt.
Jede Familie unterschreibt einen Vertrag über Rechte und Pflichten. Bei Missachtung und nach erfolgloser Intervention durch den Mediator kann es zum Abbruch der Maßnahme kommen.
Jeder Familie stehen zwischen 1 bis 2 Räume sowie eine große Gemeinschaftsküche, seitlich durch Trennwände abgeteilt, zur Verfügung.
Ziel des Projektes ist die schnellstmögliche Integration ins gesellschaftliche Sozialgefüge und in den Arbeitsmarkt. Daher erhalten die Familien vom ersten Tag an Hilfestellung um im alltäglichen Leben zurechtzukommen, Spanischsprachkurse, Kleinkind- und Hausaufgabenbetreuung etc...!

11.12.08
Die Rückkehrberatung des Roten Kreuzes stellt sich vor:
Zunächst wird, wie auch schon von ACCEM, bestätigt, dass es seit 2007 stetig steigenden Beratungsbedarf gibt.
Voraussetzungen für Unterstützungsleistungen:
-Die Migranten müssen mittellos sein und sich seit mindestens seit 6 Monaten in Spanien aufhalten.
- Außer Rumänien und Bulgaren, werden keine Migranten aus der EU gefördert.
- Die potenziellen Rückkehrer unterschreiben eine Vereinbarung, dass sie in den nächsten 1-2 Jahren nicht nach Spanien zurückkehren.
Allerdings wird betont, dass man keine Kontrollinstanz sein will und die Beratung komplett unabhängig ist! Die Rückreise wird über private Reisebüros organisiert.
2007 hatten 93% der Rückkehrer keinen legalen Aufenthaltsstatus!
Die Hauptrückkehrländer sind Bolivien, Argentinien Brasilien und die Ukraine.
Jede Person erhält bei Rückkehr 400€ plus 50€ Reisegeld.
Zusätzlich können für Geschäftsgründungen Mikrokredite bis zu 5000€ vergeben werden!

Vorstellung des CRI-Projektes (www cri-projekt.eu):

Das CRI-Projekt ist in Zusammenarbeit mit den belgischen, dänischen, spanischen und italienischen Erso-Partnern entwickelt worden.
Es ist, ähnlich wie Zirf, ein reines Infoprojekt zu den Ländern Albanien, Algerien, Armenien, Kamerun, Kongo, Ecuador, Georgien, Ghana, Russland, Serbien und Sierra Leone! Es liefert sehr gut ausgearbeitete Länderinformation, zu allen Lebensbereichen, die solange das Projekt läuft auch weiter aktualisiert werden. Zusätzlich steht ein "helpdesk" zur Verfügung, wo man spezifische Fragen mit den Einzelverantwortlichen klären kann.

Kurzer Überblick über rechtliche Aspekte des Spanischen Aufenthaltsrechtes:


Die Hauptherkunftsländer der Asylsuchenden in Spanien sind: Kolumbien, Irak, Nigeria, Elfenbeinküste, Marokko und Algerien.
Jeder Asylantrag wird an UNHCR weitergeleitet.

Situation der Bootsflüchtlinge:
Zunächst kommen diese in ein Auffanglager auf den jeweiligen Inseln, wo zunächst geprüft wird, ob diese zurückgeschickt werden können. Es gibt mit zahlreichen afrikanischen Staaten Rücknahmeabkommen! Leider gibt es zu Rückführungen keine genauen Angaben, da keine NGO`s zugelassen sind. Lediglich das Rote Kreuz darf sich um die gesundheitliche Erstversorgung kümmern.
Dort dürfen die Asylsuchenden jedoch maximal 40Tage festgehalten werden!!
Bei Asylanspruch bzw. Fristablauf werden die Flüchtlinge zunächst in einem Auffanglager auf dem Festland untergebracht, von wo sie wiederum auf Wohnhilfeprojekte im ganzen Land verteilt werden; Manche dürfen auch sofort zu Verwandten und Familienangehörigen.

Rechte von Asylsuchenden und Migranten!

Nach 6 Monaten hat jeder Asylsuchende das Recht sich eine Arbeit zu suchen.
Recht auf einen kostenlosen Anwalt / Übersetzer!
Mit der Meldebescheinigung kann sich jeder Ausländer, auch Illegale; bei der Krankenversicherung anmelden und hat von diesem Tag an Anspruch auf eine kostenlose, medizinische Grundversorgung!
Außerdem werden zahlreiche kostenlose Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse etc. angeboten.

Illegale und deren Familienangehörige können sich nach 3 Jahren Aufenthalt legalisieren lassen, vorausgesetzt sie können ein Arbeitsverhältnis von mindestens 1 Jahr nachweisen.

12.11.08
Besuch bei IOM:

Die Rückkehrberatungsstelle arbeitet nahezu unter den gleichen Bedingungen wie ACCEM und Rotes Kreuz, mit dem einzigen Unterschied, dass IOM etwas größere finanzielle Reserven zur Verfügung stehen. So ist IOM zur Zeit die einzige Rückkehrberatungsstelle die bis Jahresende rückkehrwillige Migranten/Flüchtlinge noch finanziell unterstützen kann! IOM betreute 2007 1600 Personen.

Pahiv Projekt:
Dieses Projekt wird von einem inzwischen anerkannten Asylbewerber geleitet.
Bei PAHIV handelt es sich um ein Wohnhilfe- und Betreuungsprojekt von Asylbewerbern. Insgesamt stehen PAHIV vier Wohnungen mit 21 Plätzen zur Verfügung. Wie bei Apoi erhalten die Asylbewerber hier, für sechs Monate, Unterstützung beim Integrationsprozess (Beschaffung von Dokumenten, Sprachkurse, berufliche Trainingsmaßnahmen, Jobsuche, Sozialrechtliche Beratung, Beratung bzgl. Arbeits- Mietrecht etc., Energie- und Hygieneberatung, psychologische Beratung etc...).
Probleme gibt es hier vor allem auf Grund der kulturellen Unterschiede, Rivalität untereinander, Anpassungsprobleme aufgrund des oft sehr niedrigen Bildungsstandes..).
Verteilung von Nottaschen für obdachlose Migranten!

Latam-Projekt (Start Sept. 08):


In Zusammenarbeit mit drei Italienischen Partnern soll innerhalb eines Jahres ein Rückkehrnetzwerk in Lateinamerika aufgebaut werden.
Hauptzielländer sind Argentinien, Kolumbien und Ecuador.
In der ersten Phase des Projektes geht es vor allem um die Suche nach potenziellen Partnern ( NGO`s) in den Heimatländern. Zur Suche und Kontaktaufnahme reisen einzelne Projektmitglieder in diese Länder.
In Zusammenarbeit mit den gefunden lokalen Partnern soll die Rückkehr besser organisiert und begleitet werden um somit auch die Reintegrationschancen jedes einzelnen Rückkehrers zu erhöhen!


13.11.08
Besuch der Asylunterkunft in Siguenza.


In dem kleinen, touristischen Ort Siguenza (eine Autostunde von Madrid) befindet sich, mitten in der Altstadt, eine Unterkunft für Asylbewerber, die von ACCEM betreut wird.
Sie besteht aus einem abgeschlossenen Wohntrakt, aus drei Gebäuden mit Innenhof. Zurzeit leben dort 60 Personen. Einzelpersonen wird ein Zimmer in einer abgeschlossenen Wohnung zu geteilt, Familien beziehen sogar eine eigene Wohnung bestehend aus Kinderzimmer, Schlafzimmer, Wohnraum, Bad und Küche. Dies scheint sehr luxuriös, Accem betont aber die Wichtigkeit, die familiäre Autonomie zu erhalten. Zusätzlich sind noch Wohnmöglichkeiten für unbegleitete Minderjährige vorhanden.
Zusätzlich wurde von den Asylbewerbern selbst, im Rahmen einer Ausbildungsmaßnahme, ein neuer Anbau durchgeführt, in welchem sich jetzt die Büroräume und ein großer Konferenzraum befindet!
Wie schon in den anderen Accem Projekten, werden die Flüchtlinge von einem engagierten Team bestehend aus Sozialpädagogen, einer Anwältin, einer Psychologin, Mediatoren mit Migrationshintergrund, Technikern, einer Köchin und Ausbildern aus Siguenza selbst vom ersten Tag an unterstützt.
Besonders wichtig ist hier die Arbeit der Mediatoren, welche nicht nur bei innerhäuslichen Konflikten vermitteln, sondern sehr viel Öffentlichkeitsarbeit leisten, indem sie ständig den Kontakt zur lokalen Bevölkerung, Arbeitgebern, Vermietern, Ämtern suchen. Es werden gemeinsame Feste, Vorträge, etc. organisiert, um das gemeinsame Miteinander konfliktfrei zu gestalten.
So war es bisher möglich, dass in dem 5000 Einwohner zählenden Ort, trotz eines Ausländeranteils von 20% die Menschen relativ friedlich miteinander leben!
Das Projekt ist so konzipiert, dass die Migranten nach 6 Monaten intensiver Betreuung in der Lage sind auf eigenen Füßen zu stehen.
Bisher fanden die meisten Familien Arbeit in der näheren Umgebung von Siguenza z.B. als Maurer, Maler am Bau, in Hotels und Restaurants etc.!
Während Familien eher in Siguenza bleiben, ziehen Einzelpersonen mehr in die größeren Städte.




14.11.08
Besuch bei CEPAIM


Cepaim ist ein weiteres Beratungsprojekt von ACCEM.
Es ist zweigeteilt. Zum einen berät es Migranten beim Integrationsprozess (Arbeitsaufnahme/ Integration am Arbeitsmarkt/ Gespräche mit Firmen/ Sensibilisierung des sozialen Umfeldes, Mediation....).
Der zweite Schwerpunkt ist die Rückkehrberatung von Rückkehrwilligen in den Senegal und nach Marokko.
Genützt werden schon bestehende Netzwerke in diesen Ländern.
Unterstützt wird nicht nur der einzelne Rückkehrer sondern auch eine gute Geschäftsidee.
Hierzu werden zunächst noch weitere Projektteilnehmer gesucht, welche in speziellen Trainingsphasen (Näh-, Computer-, Sprach-, Wirtschaftkurse, spez. Technikgrundkenntnisse etc.) und Kurzpraktika schon in Spanien qualifiziert werden sollen.
Des Weiteren arbeitet CEPAIM mit Experten sowohl in Spanien als auch in den Heimatländern zusammen, welche die Durchführbarkeit der Geschäftsidee prüfen und später auch begleiten!
Es stehen pro Person 3000€ zur Verfügung!

Existierende Projekte:
Textilbusiness
Schreinerei
Hühnerfarm
Entsalzungsanlage
Sprachenschule
Einzelhandel
Hotel..


14.11.08

Abreise